
TEXTVERARBEITUNG
Es erscheint paradox, aber das aktuelle soziale Klima, das durch die Wirtschaftskrise gekennzeichnet ist, beleuchtet die Stichhaltigkeit der künstlerischen Methode von P. Lecalliband, einem Künstler, der aus dem Nichts erschafft. Der Mangel als Inspirationsquelle – was gäbe es Besseres in dieser Krise? Die Puristen der zeitgenössischen Kunst erkennen das vielleicht nicht an, aber der immer wieder neuerfundene Begriff verkörpert sich sehr gut in den Werken dieses Freidenkers, der ein einfaches Textverarbeitungsprogramm benutzt, um ein visuelles Universum zu erschaffen, das er Callibandie nennt!
Für P. Lecalliband ist die Begegnung zwischen Betrachter und Kunstwerk authentischer, wenn sie sich zufällig ereignet. Von diesem Prinzip ausgehend stellt der Künstler seine Werke an Orten aus, an denen man sie nicht erwartet. Immer sucht er einen Zusammenhang zwischen Auststellungsort und Kunstwerk. Die Werke P. Lecallibands wollen von der ersten Begegnung an überraschen …. Daraus ergeben sich zum Beispiel Installationsprojekte an Ort und Stelle wie Lichtsignale gegen Aids, die P. Lecalliband in einer afrikanischen Stadt ausgestellt hat. Getreu dem Prinzip, daß man seine Werke zufällig antrifft, hat er eines seiner Werke jüngst in einem Anwaltsbüro ausgestellt, weil er glaubt, dass auch das Recht auf gewisse Weise Textverarbeitung ist.
P. Lecalliband geht von folgendem Ausgangspunkt aus: Das menschliche Gehirn reagiert stärker auf Bilder als auf Texte. In diesem Sinne verkehrt die Callibandie das Übergewicht des Bildes gegenüber dem Text insofern ins Gegenteil, als der Betrachter zu einem Akt des Entzifferns und der Lektüre über einen Umweg geleitet werden soll: Das optische Interesse wird durch Graphikdesign geweckt. Werke der Callibandie sind Bilder zum Lesen. Damit stellen sie ein gestörtes Gleichgewicht wieder her. Die Callibandie spielt mit der geschriebenen Sprache in ihrer materiellen Realität. Ein Editierspiel? Sicher: Die Callibandie befreit sich tatsächlich von den editorischen Normen, um sich mit dem Spatialismus (Bory und Garnier) zu vereinigen, dem orientalischen Bildgedicht (Ideogramm) oder – noch populärer – Apollinaires «Calligramme». Die Bezugspunkte sind zahlreich, das Werk selbst bleibt singulär.
................................................
* Principe d'une exposition selon P.L :
- L'Art in situ : un principe d'exposition




































































